SPHRAGIO · Wissenschaftliches Schreiben
„APA vs. Harvard vs. deutsche Zitierweise – welche muss ich nehmen?“ ist eine der häufigsten Fragen vor der ersten Hausarbeit, und die ehrlichste Antwort lautet: Es kommt darauf an. Nicht auf Geschmack, sondern auf Fach, Prüfungsordnung und Quellenlage. Dieser Decision-Guide erklärt, worin sich die drei Systeme wirklich unterscheiden, welcher Stil zu welchem Fach passt, und wie du in fünf Schritten zur richtigen Wahl kommst, belegt mit offiziellen Leitfäden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Stand: Juli 2026.
Kurzantwort: APA und Harvard setzen den Beleg als Autor-Jahr-Kurzbeleg in den Fließtext, die deutsche Zitierweise in Fußnoten. APA ist stark standardisiert und handbuchgebunden (Psychologie, Sozial- und Bildungswissenschaften), Harvard ist ein Autor-Jahr-Prinzip ohne zentrales Regelwerk (Wirtschaft), die deutsche Zitierweise ist fußnotenbasiert und fachnah (Geschichte, Philosophie, Jura). Die Wahl ist fast immer vorgegeben, nicht frei: Zuerst gilt die Regel von Prüfungsordnung, Institut oder Betreuung, erst dann Fachkultur und Komfort. Und: einmal gewählt, konsequent durchhalten.
Definition in einem Satz
Ein Zitierstil ist ein festgelegtes Regelsystem dafür, wie du fremde Quellen im Text kennzeichnest und im Literaturverzeichnis nachweist; APA, Harvard und die deutsche Zitierweise sind die drei im DACH-Raum verbreitetsten Familien dieses Systems.
Der Kernunterschied: Klammer oder Fußnote
Der zentrale Unterschied ist schnell gesagt und in der Praxis folgenreich: APA und Harvard verlagern den Beleg in den Fließtext, die deutsche Zitierweise lagert ihn in Fußnoten aus. Man unterscheidet also zwischen Autor-Datum- und Fußnotenzitierweise, und beide verlangen zusätzlich ein Literaturverzeichnis.12 Für die Entscheidung ist aber nicht nur wichtig, wo zitiert wird, sondern auch, wie stark der Stil normiert ist. Und hier gehen die drei Systeme deutlich auseinander.
APA ist an ein offizielles Handbuch gebunden und regelt Textbeleg, Literaturverzeichnis, DOI, Tabellen und Abbildungen präzise. Harvard ist ebenfalls ein Autor-Jahr-System, aber deutlich variabler: Für den Stil „Harvard“ gibt es keine offizielle Regelsammlung, der Ausdruck wurde nie von der Harvard-Universität eingeführt, und „Harvard“ bedeutet vor allem, dass das Autor-Jahr-System konsequent angewendet wird.1 Die deutsche Zitierweise wiederum gibt nur vor, dass Belege als Fußnoten hinzugefügt werden; feste Regeln für die bibliografische Form gibt es nicht.12 Das ist ihr Vorteil und ihr Risiko zugleich.
APA vs. Harvard vs. deutsche Zitierweise im Vergleich
| Kriterium | APA | Harvard | Deutsche Zitierweise |
|---|---|---|---|
| Verweisort | Klammer im Text | Klammer im Text | Fußnote am Seitenende |
| Kurzbeleg | (Mustermann, 2023, S. 45) | (Mustermann 2023: 45) | Vollbeleg, dann Kurzbeleg |
| Trennzeichen Jahr/Seite | Komma | Doppelpunkt (variiert) | – |
| Normierungsgrad | hoch (Handbuch) | niedrig (kein Regelwerk) | niedrig bis mittel |
| Typische Fächer | Psychologie, Sozial-, Bildungswiss. | Wirtschaftswissenschaften | Geschichte, Philosophie, Jura |
| Mehrautoren ab 3 | „et al.“ ab erster Nennung | meist „et al.“, variiert | ausgeschrieben oder „u. a.“ |
| „ebd.“ / „ff.“ | beides vermieden | „ebd.“ möglich, „ff.“ eher gemieden | „ebd.“/„a. a. O.“ üblich |
| Anmerkungsraum | gering | gering | hoch (Kommentar in Fußnote) |
| Softwarefreundlichkeit | sehr hoch | hoch | mittel |
Verdichtung offizieller DACH-Leitfäden. Harvard-Details variieren je nach Hausnorm; verbindlich ist der Leitfaden deiner Fakultät.
APA: der standardisierte Autor-Jahr-Stil
APA beruht auf einem Kurzbeleg aus Autor, Jahr und Seitenzahl, getrennt durch Kommata, entweder erzählend im Satz (narrative citation) oder in Klammern (parenthetical citation).2 Charakteristisch für die 7. Auflage: Ab drei Autorinnen und Autoren wird schon bei der ersten Nennung nur die Erstautorin plus „et al.“ genannt; im Literaturverzeichnis werden bis zu 20 Namen geführt. Auf „f.“ und „ff.“ wird verzichtet, stattdessen werden exakte Seitenspannen angegeben, und auch „ebd.“ kommt nicht vor: Ein Kurzbeleg wird bei Wiederholung schlicht erneut genannt.2 DOI werden als Link geführt, ein Abrufdatum nur bei veränderlichen Inhalten. Zwei oft übersehene APA-7-Feinheiten: Der Verlagsort entfällt bei Büchern, und nicht abrufbare persönliche Kommunikation wie Interviews oder E-Mails wird nur im Text erwähnt, nicht ins Literaturverzeichnis aufgenommen. Diese präzisen Sonderfallregeln machen APA besonders robust, wenn viele Journalartikel, Repositorien oder Onlinequellen zu belegen sind.
Achtung: „APA“ ist in DACH nicht gleich „APA“
„Nach APA zitieren“ kann drei Dinge heißen: das englische APA-7-Handbuch (2020), die deutschsprachigen DGPs-Richtlinien (5. Auflage 2019, die noch auf der 6. Auflage von APA basieren) oder eine hochschuleigene Mischform. Kläre vor dem Schreiben, welche Variante dein Institut meint; mehrere Bildungs- und Psychologie-Leitfäden verweisen ausdrücklich auf die DGPs-Fassung für deutschsprachige Arbeiten.21
Harvard: das Prinzip ohne zentrales Regelwerk
Harvard sieht optisch ähnlich aus wie APA, trennt Jahr und Seite aber häufig durch einen Doppelpunkt (Mustermann 2023: 45) und verzichtet oft auf das „S.“.6 Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Es gibt kein verbindliches Harvard-Handbuch. Die Vorgaben sind nicht zentral fixiert, sondern haben sich in verschiedenen Hausvarianten entwickelt; bei einem indirekten Zitat steht in der deutschsprachigen Praxis meist „vgl.“ vor dem Beleg, bei unmittelbar wiederholter Quelle ist „ebd.“ möglich, und Fußnoten werden für die Zitation nicht verwendet.1 Genau deshalb greifen manche Hochschulbibliotheken zu einer benannten, publizierten Harvard-Umsetzung wie „Cite Them Right“; die ETH Zürich etwa führt in ihrem Zitierknigge Autor-Datum- und numerische Systeme nebeneinander.23
Für dich heißt das praktisch: Harvard ist niedrigschwellig im Einstieg, aber du musst die lokale Hausvariante sauber einhalten. Wo dein Institut eine Handreichung bereitstellt, folge ihr; wo nur „nach Harvard“ verlangt wird, wähle eine korrekte Variante und bleibe konsequent dabei.1
Deutsche Zitierweise: Belege in Fußnoten
Bei der deutschen Zitierweise verweist eine hochgestellte Ziffer auf eine Fußnote am Seitenende. Bei der Erstnennung steht der Vollbeleg mit Autor, Titel, Ort, Jahr und Seite, bei jeder weiteren Nennung ein Kurzbeleg aus Nachname, Kurztitel und Seite; folgt unmittelbar dieselbe Quelle, ersetzt „ebd.“ die Angaben, und bei Paraphrasen wird „Vgl.“ vorangestellt.12 Das Literaturverzeichnis bleibt Pflicht. Weil die Form fach- und institutsabhängig ist, gibt es keine einzige „richtige“ deutsche Zitierweise, sondern eine Familie verwandter Fußnotenstile.
Ihr großer Vorteil liegt im metasprachlichen Raum: In der Fußnote lassen sich neben dem Beleg auch quellenkritische Anmerkungen, Forschungskontroversen oder Zusatzverweise unterbringen, ohne den Haupttext zu überfrachten. Deshalb ist sie in Geschichte, Philosophie, Theologie, Kunstgeschichte und in der Rechtswissenschaft der Leitstandard.3 Der Preis ist die geringere Automatisierbarkeit: Bei vielen Referenzen und Teamarbeit macht die deutsche Zitierweise mehr Nachpflege als ein Autor-Jahr-System.
Welches System muss ich nehmen?
Der belastbarste Entscheidungspfad steht in den Leitfäden selbst: erst Vorgaben, dann Fachkultur, erst danach Komfortfragen. Die Wahl ist fast nie frei. Mehrere Hochschulen formulieren ausdrücklich, dass man sich für eine Zitierweise entscheiden und sie durchgängig einheitlich anwenden muss, und dass im Zweifel die Betreuung zu fragen ist.719
In fünf Schritten zum richtigen Stil
- Vorgaben prüfen. Schreiben Prüfungsordnung, Institut, Betreuung oder Journal einen Stil vor? Dann gilt dieser, Punkt.
- Fachkultur bestimmen. Psychologie/Sozial-/Bildungswissenschaft oft APA; Wirtschaft Harvard oder APA; Geschichte/Philosophie/Jura Fußnoten; Technik/Informatik numerisch; Medizin meist Vancouver.
- Quellenlage prüfen. Viele Onlinequellen, DOIs und Datensätze sprechen für APA; viele Gesetze, Entscheidungen und Normen für die fachspezifische Spezialkonvention.
- Stil und Variante festlegen. Bei Harvard die Hausform des Instituts klären, bei APA die Frage APA 7 oder DGPs.
- Einheitlich durchhalten. Konsequent anwenden; eine Literaturverwaltung (Zotero, Citavi) mit passendem CSL-Stil hält das Schriftbild fehlerfrei.
Die Fach-Zuordnung ist eine Faustregel, keine Naturgesetzlichkeit, und die Ausnahmen sind gut dokumentiert. So schreibt die Germanistik der Universität Mainz APA 7 vor, obwohl die Geisteswissenschaften sonst als Fußnoten-Domäne gelten;8 und die Medizinische Fakultät der Universität Freiburg erlaubt neben dem sonst dominierenden numerischen Vancouver-System ausdrücklich auch Harvard.10 Nimm die Fachkultur also als Startpunkt, aber prüfe immer den konkreten Leitfaden.
DACH-Hochschulen im Vergleich
Die Übersicht bündelt exemplarische, belegte Vorgaben. Wichtig: Diese Regeln sind fakultäts- oder lehrstuhlspezifisch, nicht universitätsweit. Sie zeigen die Spannbreite, ersetzen aber nicht den Leitfaden deines Instituts.
| Quelle (Fakultät/Institut) | Land | Belegte Vorgabe |
|---|---|---|
| Uni Trier (Medienwiss.)2 | DE | APA 7 verbindlich vorausgesetzt; keine „f./ff.“, kein „ebd.“ |
| Uni Heidelberg (Jura)3 | DE | Fußnotensystem; „man muss sich für eine Zitationsweise entscheiden“ |
| Uni Mannheim (VWL)6 | DE | Harvard-Kurzbeleg im Text (Schmidt 2004: 102) |
| TU Chemnitz (BWL)7 | DE | Harvard oder Fußnoten; „mit Betreuer besprechen“ |
| Uni Mainz (Germanistik)8 | DE | APA 7 (Gegenbeispiel: Geisteswiss. mit Autor-Jahr) |
| LMU München (Medizin)9 | DE | Vancouver bzw. IEEE (Nummernsystem) statt Autor-Jahr |
| Uni Wien (Philosophie)12 | AT | deutsche Zitierweise ohne feste Formregeln; Harvard nicht handbuchgebunden |
| WU Wien (Recht)15 | AT | AZR (Abkürzungs- und Zitierregeln der österr. Rechtssprache) |
| Uni Graz (Kunstgeschichte)16 | AT | Fußnoten mit Vollbeleg |
| UZH (Rechtswiss.)19 | CH | Fußnoten; „die Zitierweise muss durchgängig einheitlich sein“ |
| UZH (Wirtschaft)20 | CH | Richtlinien „in Anlehnung an APA-Style (7th)“ |
| HSG St. Gallen (Bibliothek)22 | CH | APA als Standard; Seitenzahl bei jedem Beleg |
Quellen-Stand Juli 2026. Auswertung offizieller Leitfäden; Vorgaben sind meist fakultäts- oder lehrstuhlspezifisch und können sich ändern. Keine Rechtsberatung.
Weitere offizielle Leitfäden bestätigen dieses Bild über die Länder hinweg: In der Psychologie schreibt etwa die Universität Würzburg APA 7 vor;5 in Österreich zitiert die Soziologie der Universität Wien nach Autor-Jahr,13 die Wirtschaftspädagogik der WU Wien nach Harvard,14 während die JKU Linz allgemeine Formvorgaben bündelt17 und die MedUni Wien das numerische Vancouver-System nutzt;18 in der Schweiz dokumentieren die Universität Luzern und die Universität Basel die Fußnotenpraxis mit Erst- und Folgenennung.2425
Sonderfälle: Recht, Normen, Onlinequellen, KI
Recht. Juristische Arbeiten folgen fast überall im DACH-Raum eigenen, fußnotenbasierten Fachkonventionen statt APA oder Harvard, weil Gesetze, Kommentare und Entscheidungen präziser nachgewiesen werden müssen. In Österreich sind dafür flächendeckend die AZR maßgeblich;15 in Deutschland und der Schweiz gelten eigene juristische Zitierregeln: In juristischen Arbeiten werden Belege herkömmlich in Fußnoten geführt, nicht in Text- oder Endnoten, mit der Unterscheidung von Voll- und Kurzbeleg.4
Normen. Die deutsche Norm für Titelangaben war lange DIN ISO 690:2013-10, die die alte DIN 1505-2:1984 ablöste; sie ist inzwischen zurückgezogen, DIN Media empfiehlt ersatzweise ISO 690:2021-06. Viele Hochschulleitfäden verweisen in der Praxis aber weiter auf die Fassung von 2013. Beide lassen sowohl das Autor-Jahr- als auch ein numerisches System zu. Wichtig für Jurastudierende: Die Norm gilt ausdrücklich nicht für juristische Zitate, die ihren eigenen Regeln folgen.26 In technischen und ingenieurwissenschaftlichen Fächern dominieren dagegen numerische Systeme wie IEEE.11
Onlinequellen. Hier zeigt sich der größte praktische Unterschied. APA regelt DOI, URL und Abrufdatum sehr klar: DOI bevorzugen und als Link ausgeben, Abrufdatum nur bei veränderlichen Quellen, bei fehlender Seitenzählung Absatznummern.2 Auch Harvard bevorzugt die DOI (ohne Abrufdatum) und verlangt bei reinen URLs ein Abrufdatum, lässt aber mehr lokale Varianten zu.1 In Fußnotenstilen wird stärker zwischen Digitalisaten und „born-digital“-Quellen unterschieden.
Sekundärzitate und KI. Sekundärzitate sind in allen drei Systemen nur ausnahmsweise erlaubt, etwa wenn das Original nicht zugänglich ist; gekennzeichnet wird mit „zitiert nach“, wobei in APA nur die gelesene Quelle ins Literaturverzeichnis kommt.2 Generative KI wird an den meisten DACH-Hochschulen nicht als zitierfähige Quelle behandelt, weil ihr Output keiner Autorschaft zurechenbar und nicht reproduzierbar ist; ihr Einsatz wird üblicherweise nicht zitiert, sondern in der Eigenständigkeitserklärung offengelegt. Die konkrete Regelung ist aber institutsabhängig und ändert sich rasch.
Häufige Fehler und Checkliste
Die häufigsten Fehler
- Stil selbst gewählt, obwohl das Institut einen anderen vorschreibt
- Fußnoten und Klammer-Belege im selben Dokument gemischt
- „vgl.“ falsch eingesetzt (in APA unüblich, in Harvard/Fußnoten oft Pflicht)
- in APA „ebd.“ oder „ff.“ verwendet, obwohl beides dort vermieden wird
- Harvard-Hausvariante nicht eingehalten (Komma statt Doppelpunkt und umgekehrt)
- DOI mit Abrufdatum kombiniert oder DOI trotz Vorhandensein weggelassen
- Sekundärzitat ohne „zitiert nach“ oder mit falscher Quelle im Verzeichnis
- „nach APA“ verlangt, aber APA 7 und DGPs verwechselt
Checkliste vor dem Schreiben
☑ Institutsleitfaden gelesen, Stil ist geklärt
☑ bei Harvard: Hausvariante bekannt (Komma/Doppelpunkt, „vgl.“, „S.“)
☑ bei APA: geklärt, ob APA 7 oder DGPs gemeint ist
☑ ein einziges System, konsequent im ganzen Dokument
☑ Literaturverzeichnis vorhanden (auch bei Fußnoten)
☑ Regeln für DOI, URL und Abrufdatum festgelegt
☑ Sekundärzitate vermieden oder mit „zitiert nach“ gekennzeichnet
☑ Gesetze/Normen nach Fachkonvention (Jura: AZR bzw. juristische Regeln)
☑ KI-Nutzung in der Eigenständigkeitserklärung deklariert
☑ Literaturverwaltung (Zotero/Citavi) mit passendem CSL-Stil eingerichtet
Vor der Abgabe
Zitierstil-Konsistenz prüfen lassen
SPHRAGIO prüft dein Word-Dokument auf einheitliche Kurzbelege, korrektes Literaturverzeichnis, Fußnoten-Formatierung und die durchgängige Anwendung eines einzigen Stils. Nur Format, nie Inhalt. Garantiert.
Compliance-Check starten →Häufige Fragen
Ist Harvard dasselbe wie APA?
Nein. Beide sind Autor-Jahr-Systeme mit Kurzbeleg im Text, aber APA ist an ein offizielles Handbuch gebunden und stark standardisiert, während Harvard kein zentrales Regelwerk hat und je nach Institut variiert.
Gibt es ein offizielles Harvard-Regelwerk?
Nein. Für Harvard gibt es keine offizielle Regelsammlung; der Ausdruck wurde nie von der Harvard-Universität eingeführt. Harvard heißt vor allem: das Autor-Jahr-System konsequent und einheitlich anwenden.
Welches System nutzt mein Fach?
Als Faustregel: Psychologie und empirische Sozialwissenschaften APA, Wirtschaft Harvard oder APA, Geschichte, Philosophie und Jura Fußnoten, Technik und Informatik numerische Systeme, Medizin meist Vancouver. Es gibt aber dokumentierte Ausnahmen; die Fakultätsvorgabe entscheidet.
Brauche ich bei der deutschen Zitierweise ein Literaturverzeichnis?
Ja, praktisch immer. Auch das Fußnotensystem verlangt zusätzlich ein alphabetisches Literaturverzeichnis; Autor-Jahr-Systeme und Fußnotensysteme erfordern es gleichermaßen.
Was bedeutet „nach APA“ in DACH genau?
Das kann Verschiedenes heißen: APA 7 (englisches Handbuch, 2020), die deutschsprachige DGPs-Fassung (5. Auflage 2019, die auf APA 6 basiert) oder eine hochschuleigene Mischform. Prüfe, welche Variante dein Institut meint.
Wann Komma, wann Doppelpunkt vor der Seitenzahl?
In APA trennt ein Komma Jahr und Seite (Mustermann, 2023, S. 45). In vielen Harvard-Varianten steht ein Doppelpunkt (Mustermann 2023: 45). Beides ist korrekt, entscheidend ist die Vorgabe deines Instituts.
Wann gebe ich DOI, URL oder Abrufdatum an?
DOI werden bevorzugt und als Link angegeben, ein Abrufdatum ist dann nicht nötig. Bei reinen URLs, besonders bei veränderlichen Seiten, gehört ein Abrufdatum dazu. Bei fehlendem Datum steht „o. D.“.
Sind Sekundärzitate erlaubt?
Nur ausnahmsweise, etwa wenn das Original nicht zugänglich ist. Es wird mit „zitiert nach“ gekennzeichnet. In APA kommt nur die gelesene Quelle ins Literaturverzeichnis, in Fußnotenstilen oft beide.
Darf ich Zitierstile mischen?
Nein. Der gewählte Stil ist durchgängig und einheitlich anzuwenden. Ein Mix aus Fußnoten und Klammern oder uneinheitliche Formate gilt als Formfehler und kostet Punkte.
Welches System gilt in Jura?
In der Rechtswissenschaft dominieren fußnotenbasierte Fachkonventionen, nicht APA oder Harvard. In Österreich sind die AZR maßgeblich, in Deutschland und der Schweiz eigene juristische Zitierregeln mit Gesetzen, Kommentaren und Entscheidungen.
Fazit: situativ statt ideologisch
Kein Zitierstil ist per se besser. Wer maximale Standardisierung, Software-Kompatibilität und Onlinequellen-Robustheit braucht, ist mit APA meist am stärksten aufgestellt. Wer Autor-Jahr will, aber keine harte APA-Bindung hat, fährt mit Harvard pragmatisch, solange die Hausvariante sauber eingehalten wird. Wer textnah, kommentierend und quellenkritisch arbeitet, ist mit der deutschen Zitierweise anschlussfähiger an die Fachkultur. Und wer mit Gesetzen, Entscheidungen oder Normen arbeitet, folgt der fachspezifischen Spezialkonvention statt einer pauschalen Dreierentscheidung. Über allem steht dieselbe eiserne Regel: erst die Vorgabe prüfen, dann einen Stil wählen und konsequent durchhalten.
Weiterführend bei SPHRAGIO
Passend dazu: unsere Beiträge zum Abkürzungsverzeichnis in Word, zum Anhang und Anhangsverzeichnis, zum Deckblatt sowie zur 72-Stunden-Checkliste vor der Abgabe.
Quellen und Fußnoten
Quellenstand: Juli 2026. Es handelt sich ausschließlich um offizielle Hochschul-Leitfäden, Bibliotheks-Guides und Normquellen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zentrale Quellen (FernUni Hagen, Uni Trier, Uni Wien) wurden live und inhaltlich geprüft; Hochschul-PDFs werden häufig neu datiert, prüfe die verlinkte Version vor der Verwendung. Viele Vorgaben sind fakultäts- oder lehrstuhlspezifisch. Kommerzielle Ratgeber wurden bewusst nicht als Belege verwendet.
Deutschland
1 FernUniversität in Hagen, ZitFIt (Zitationstool): „Für den Zitationsstil ‚Harvard‘ gibt es keine offizielle Regelsammlung … Der Ausdruck wurde nie von der Harvard Universität eingeführt“; Autor-Jahr-Prinzip, „vgl.“ bei Paraphrasen, „ebd.“ bei wiederholter Quelle, keine Fußnoten in Harvard, DOI ohne Abrufdatum: fernuni-hagen.de. ↩
2 Universität Trier, Medienwissenschaft, APA-Zitierleitfaden (7. Auflage, Stand 2021): APA 7 verbindlich; narrative und parenthetische Kurzbelege; „et al.“ ab drei Autor*innen; Verzicht auf „f./ff.“ und „ebd.“; bis zu 20 Namen im Literaturverzeichnis; Sekundärzitat „zitiert nach“; „o. D.“ bei fehlendem Datum: uni-trier.de. ↩
3 Universität Heidelberg, Lehrstuhl Baldus (Juristische Fakultät), Zitierregeln für Hausarbeiten (2023): Fußnotensystem; man muss sich für eine Zitationsweise entscheiden und sie konsequent anwenden: jura.uni-heidelberg.de. ↩
4 Stüber, „Zitieren in juristischen Arbeiten“ (bereitgestellt über die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln): In juristischen Arbeiten werden Zitate herkömmlich in Fußnoten nachgewiesen, nicht in Text- oder Endnoten; zu unterscheiden sind Voll- und Kurzbelege: jura.uni-koeln.de. ↩
5 Universität Würzburg, Institut für Psychologie, Leitfaden für Abschlussarbeiten (2024): APA 7 als Vorgabe; Buch- und Zeitschriftenformate: psychologie.uni-wuerzburg.de. ↩
6 Universität Mannheim, Abteilung Volkswirtschaftslehre, Leitfaden Zitieren: Harvard-Kurzbeleg im Text, z. B. (Schmidt 2004: 102); Doppelpunkt vor der Seitenzahl: vwl.uni-mannheim.de. ↩
7 TU Chemnitz, BWL IX, Leitfaden für wissenschaftliche Arbeiten (2021): zwei zulässige Zitierweisen (Harvard oder Fußnoten); „Die Zitierweise besprechen Sie bitte mit ihrem Betreuer / ihrer Betreuerin“: tu-chemnitz.de. ↩
8 Universität Mainz, Germanistik, Formale Hinweise zur Gestaltung (2025): APA 7 als vorgeschriebener Stil (Gegenbeispiel: geisteswissenschaftliches Fach mit Autor-Jahr): germanistik.uni-mainz.de. ↩
9 LMU München, Medizinische Fakultät, Leitfaden für korrektes Zitieren: „Vancouver-Konvention bzw. IEEE (Nummernsystem)“ gegenüber Autor-Jahr-Systemen: med.lmu.de. ↩
10 Universität Freiburg, Medizinische Fakultät, Zitierleitfaden (2023): Vancouver oder Harvard zulässig (Gegenbeispiel: Medizin nicht ausschließlich Vancouver): uni-freiburg.de. ↩
11 TU München, Universitätsbibliothek, TUM-Zitierleitfaden: APA, IEEE (numerisch) und Chicago; Hinweis, dass APA-Beispiele für Gesetze angloamerikanisch geprägt sind und lokal angepasst werden sollten: mediatum.ub.tum.de. ↩
Österreich
12 Universität Wien, Fachbereichsbibliothek Philosophie & Psychologie, „Zitieren in der Philosophie“: Unterscheidung Autor-Datum- vs. Fußnotenzitierweise, „beide erfordern ein Literaturverzeichnis“; deutsche Zitierweise „gibt nur vor, dass Belege als Fußnoten hinzugefügt werden … keine festen Regeln“; Harvard nicht in einem Handbuch festgelegt: bibliothek.univie.ac.at. ↩
13 Universität Wien, Institut für Soziologie, Zitierregeln: Autor-Jahr-Kurzbelege im Text mit Literaturverzeichnis: soziologie.univie.ac.at. ↩
14 WU Wien, Institut für Wirtschaftspädagogik, Zitierleitfaden: Harvard-Zitierweise (Kurzbeleg im Text plus Vollbeleg im Verzeichnis): wu.ac.at. ↩
15 WU Wien, Institut für Revisions-, Treuhand- und Rechnungswesen, Zitierrichtlinien: Vorgabe der AZR (Abkürzungs- und Zitierregeln der österreichischen Rechtssprache) für juristische Zitate; die AZR liegt aktuell in 8. Auflage (2019) vor: wu.ac.at. ↩
16 Universität Graz, Institut für Kunstgeschichte, Leitfaden Recherche und Zitieren: Fußnoten mit Vollbeleg als Standard der Fachkultur: static.uni-graz.at. ↩
17 Johannes Kepler Universität Linz, Leitfaden für wissenschaftliche Arbeiten: allgemeine Zitier- und Formvorgaben: jku.at. ↩
18 Medizinische Universität Wien, Universitätsbibliothek, Leitfaden für Studierende: numerisches Vancouver-System bzw. Cite Them Right in der Medizin: ub.meduniwien.ac.at. ↩
Schweiz
19 Universität Zürich, Rechtswissenschaftliche Fakultät, Grundregeln für das Verfassen rechtswissenschaftlicher Arbeiten: Fußnoten mit Kapitälchen; „Die Zitierweise muss durch die gesamte Arbeit hindurch einheitlich sein“: ius.uzh.ch. ↩
20 Universität Zürich, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Richtlinien zum Zitieren: „in Anlehnung an APA-Style (7th)“; DOI als klickbare URL: business.uzh.ch. ↩
21 Universität Bern, Institut für Erziehungswissenschaft, ASU-Zitierrichtlinien: APA-abgeleitete Regeln, für deutschsprachige Arbeiten mit DGPs-Anpassungen (die DGPs-Fassung 2019 basiert auf APA 6): edu.unibe.ch. ↩
22 Universität St. Gallen (HSG), Bibliothek, Anleitungen zum Zitieren: APA als am häufigsten genutzter Standard; Seitenzahl bei jedem Beleg gefordert: unisg.ch. ↩
23 ETH Zürich, Plagiat- und Zitierknigge (Stand Feb. 2025): führt Autor-Datum- und numerische Zitiersysteme nebeneinander und nennt u. a. APA, Chicago, Harvard und IEEE: ethz.ch. ↩
24 Universität Luzern, Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Leitfaden Wissenschaftliches Schreiben: Fußnoten- und Kurzbelegvarianten mit Vollbeleg im Literaturverzeichnis: unilu.ch. ↩
25 Universität Basel, Zentrum Gender Studies, Merkblatt Wissenschaftliches Zitieren: Grundregeln der Beleg- und Fußnotenpraxis (Erst- vs. Folgenennung, „ebd.“): genderstudies.philhist.unibas.ch. ↩
Normen
26 DIN ISO 690:2013-10, „Information und Dokumentation – Richtlinien für Titelangaben und Zitierung von Informationsressourcen“ (DIN Media): löste DIN 1505-2:1984 ab; inzwischen zurückgezogen, DIN Media empfiehlt ersatzweise ISO 690:2021-06. Lässt Autor-Jahr- oder numerisches System zu; gilt ausdrücklich nicht für juristische Zitate: dinmedia.de. ↩

SPHRAGIO ist ein innovatives österreichisches EdTech Startup aus Salzburg. Die SPHRAGIO-Redaktion wertet DACH-Hochschulrichtlinien aus und übersetzt sie in praxistaugliche Anleitungen für Bachelor-, Master- und Hausarbeiten. Nur Format. Nie Inhalt. Dieser Beitrag wurde im Juli 2026 redaktionell geprüft; die zentralen Quellen wurden gegen offizielle Primärquellen geprüft. Einzelne Hochschul-PDFs können sich ändern. Der Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar.
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